Das Spiel mit der Geduld

Radfahrer:innen sind wahrhaftig nicht die größten Fans von Fußgängern:innen. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Als Radfahrer:in gibt’s nur wenig Nervigeres als Fußgänger:innen, die dich ausbremsen. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich gerne viele Kilometer raus aus der Stadt fahre, um in einsame Wälder einzutauchen in denen ich keine Menschenseele treffe. Wer nicht am Stadtrand wohnt, sondern relativ zentral, weiß, dass es meist eine ganze Weile dauert bis man es aus der Stadt geschafft hat. Bis dahin ist es ein Spiel mit der Geduld und ohne Klingel oder laute Rufe bist du aufgeschmissen.


Sobald die Sonne scheint, ist es voll in den Parks auf den Schotterwegen und die Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, nehmen diese Wege für sich ein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Da wird zu zweit der komplette Weg in Beschlag genommen, anstatt sich rechts zu halten, damit noch wer vorbeikommen könnte. Für Radfahrer:innen ist es jedes Mal eine Wundertüte, wie die Fußgänger:innen reagieren. Ich rechne immer mit dem Schlimmsten und bin jederzeit bremsbereit. Das mit der Schlagfertigkeit bei blöden Kommentaren übe ich allerdings noch.


Natürlich gibt es auch immer die Rüpelradfahrer:innen, die sich ebenso wenig wie einige Fußgänger:innen nicht an Regeln halten wollen. In der Stadt sowie im Gelände. Dass die Fußgänger:innen da teilweise ein Groll auf uns Radfahrer:innen hegen, ist nicht ganz verwerflich. Ich bin allerdings immer ein Fan von mehr Miteinander statt Gegeneinander.


Daher mein Tipp vorweg: Gib dem:der Fußgänger:in Zeit! Drossel dein Tempo. Klingel bereits weit im vorraus, sodass er/sie genügend Zeit hat, das Klingeln einzuordnen, kurz in absolute Panik zu verfallen und dann zu reagieren.


Die Entspanntesten sind diejenigen, die sich einfach rechts halten und auch dort bleiben. Ich bedanke mich freundlich und weiter geht’s. Schön wär’s. Träumen darf man ja schließlich noch. Die Realität sieht meistens anders aus. Da gibt es diese, die auch mehrfaches Klingeln gerne einfach ignorieren. Inzwischen bin ich direkt hinter ihnen und frage nett, ob ich vorbeidürfte. „Wie wär’s mal mit Klingeln?“ kommt nur eine patzige Antwort zurück. Übertrieben freundlich bedanke ich mich, düse davon und ärgere mich. Dann gibt's welche, die vor lauter Panik an die Seite springen - einer rechts, einer links. Diejenigen, die komplett überfordert sind, erst nach rechts, dann nach links tippeln und so lange brauchen, dass ich am Ende kurz vor ihnen abbremsen muss, weil sie sich nicht entscheiden können. Meistens haben sie aber ein Lächeln für ihre Tollpatschigkeit übrig. Fußgänger:innen mit Hunden sind auch so ein Volk für sich. Entweder der Hund hört, sorgt aber durch sein Bellen für einen halben Herzinfarkt, wenn ich vorbeifahre oder der/die Besitzer:in macht keinerlei Anstalten die Leine kürzer zu nehmen, sodass ich nur hoffen kann, den Hund nicht gleich in den Speichen hängen zu haben.


Am Ende gibt's aber auch Fußgänger:innen, die mir positiv in Erinnerung bleiben. Nämlich diejenigen, die mir eine gute Fahrt wünschen, die sich für mein Rad interessieren oder diejenigen, die mich bei einem Snack-Stop mit den Worten "Sie sind aber dreckig!" ansprechen und ich dadurch in ein schönes Gespräch verwickelt werde.


Also immer schön ausweichen, die Innenstadt weitläufig umfahren und nicht ärgern lassen – dann kann mir auch auf den bestbesuchten Wegen niemand die gute Laune auf dem Bike nehmen.


  • Text: Sarah