Hätte, würde, wenn

„Ich bin so neidisch auf deine Touren, weil ich mich nicht allein los traue“, ploppt eine Nachricht in meinem Postfach auf. „Ich liebe deine Videos und Bilder, aber ich habe einfach Angst, dass mir unterwegs etwas passiert und ich aufgeschmissen bin.“
In Momenten wie diesem wird mir deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist einfach loszufahren wie ich es tue, ohne Sorgen und Gedanken an „was ist wenn...“. Mir wird bewusst, dass ich bisher eigentlich völlig unbedacht meine Touren gefahren bin und diese Leichtigkeit mir fantastische Erlebnisse beschert hat. Gleichzeitig macht es mich aber auch total traurig zu wissen, dass es dort draußen Menschen gibt, die sich bei ihrer Planung so den Kopf zerbrechen, dass sie sich letztendlich nur selbst im Weg stehen. Was ist, wenn ich den Weg nicht finde? Was passiert, wenn ich einen Platten habe? Was mache ich, wenn ich stürze?
Zuerst musst du dir klar machen, dass dir immer und überall etwas passieren kann. In deiner Wohnung, vor deiner Haustür, beim Einkaufen, beim Spaziergang im Park. Das ist also kein Argument. Wenn du einen Platten hast, hilft dir Werkzeug und ein neuer Schlauch. Falls du noch nie einen Schlauch gewechselt hast, übe vorher, damit du im Notfall genau weißt, was zu tun ist.
Fun Fact: Ich fahre nun seit genau einem Jahr und hatte bisher (toi, toi, toi) erst zwei Platten. Den einen habe ich selbst provoziert, weil ich einen viel zu hohen Kantstein hochfahren wollte und dabei der Schlauch geplatzt ist – zum Glück 2 km bevor ich daheim war! Zuhause habe ich eine Stunde gebraucht um den verdammt eng sitzenden Mantel von der Felge zu bekommen. Als ich ihn dann mit neuem Schlauch wieder draufziehen wollte, bin ich fast verzweifelt, weil der Reifen eierte. Den Mantel also wieder abgezogen und neu positioniert. Vergeblich. Am nächsten Tag bin ich dann zu einem Bekannten gefahren, der den Reifen auf 8 bar gepumpt hat bis der Mantel endlich in die Felge gesprungen ist. Puh, war ich froh, dass mir das nicht 100 km entfernt von zu Hause mitten in der Pampa passiert ist. Aber selbst wenn, ich bin mir sicher, dass ich dafür auch eine Lösung gefunden hätte.
Nicht umsonst heißt es: Übung macht den Meister. Also alle Eventualitäten einmal durchspielen, üben und dann ganz beruhigt in die nächste Tour starten. Wenn du den Weg trotz Navigation nicht findest, ist das überhaupt nicht schlimm. Ich fahre alle meine Routen mit der Navigationsfunktion meiner Garmin Uhr, auf der ich keine Karte, sondern lediglich die Linie meiner Route sehe. Das wird in dem Moment kompliziert, wenn ich mehrere Wege zur Auswahl habe oder zwei Wege parallel verlaufen. Hier nehme ich mir dann meine Offline-Karte von komoot zur Hand. Du siehst, es gibt für jedes Problem eine Lösung! Wenn du immer nur vom Schlimmsten ausgehst, dann schaffst du es niemals vor die Tür. Dein Sofa wird immer bequemer und dich in deiner Komfortzone gefangen halten.
Fang klein an. Die erste Tour muss gar nicht weit weg sein. Nimm dir zum Herantasten eine kurze Strecke vor deiner Haustür vor. Am besten sogar eine bereits von Freunden gefahrene Strecke, die dir erzählen können was dich erwartet und vielleicht sogar Fotos haben. Plan die Strecke so, dass du immer eine Bahn in der näheren Umgebung hast und im Notfall die Strecke abkürzen kannst. Sag Freunden oder der Familie Bescheid, wo du unterwegs bist. Schalte Live-Tracking an. Plane deine Pause an einem Café, Kiosk oder Supermarkt ein – ich mache das meistens zur Hälfte der Strecke, dann freue ich mich darauf und weiß, dass ich schon die Hälfte geschafft habe.
Überlege dir, wo dir Sicherheit fehlt und finde Lösungen dafür!
Was passiert also, wenn du aufhörst zu denken und einfach machst? Dann könntest du ein großartiges Abenteuer erleben. Also los, schmeiß die Gedanken beiseite, schnapp dir dein Rad und entdecke die Welt.


  • Text: Sarah