Ich konnte meine Augen nicht länger davor verschließen

Wochenlang probierte ich mich durch alle im Supermarkt erhältlichen veganen Käse-Alternativen und musste ernüchternd feststellen: DEN Ersatz gibt es einfach nicht. Alles schmeckte so, wie ich mir den Geschmack einer alten Schuhsohle vorstelle. Im Grunde genommen wusste ich das schon, denn 2018 hatte ich den ersten Versuch gewagt, mich vegan zu ernähren und war gescheitert. „Auf Käse könnte ich niemals verzichten!“ – ein Satz, den auch ich damals häufig gesagt habe. Heute hingegen muss ich schmunzeln, wenn ein:e Nicht-Veganer:in ihn mir in einer Unterhaltung als Argument bringt. Milch hatte ich schon lange nicht mehr konsumiert und Eier super selten. Meine einzige große Herausforderung war es, auf Käse zu verzichten. Doch falls jetzt jemand auf das Geheimrezept gehofft hat, muss ich enttäuschen: Es gibt keins. Denn es ist eigentlich ganz einfach, ich habe ihn einfach nicht mehr gekauft und gegessen. Bei jeder Packung Käse, die ich im Kühlregal sah, spielten sich bei mir die grausamen Szenen aus Dokumentationen in meinem Kopf ab, die ich mir zuvor angeschaut hatte. 

Ich konnte meine Augen nicht länger davor verschließen, jetzt, wo ich wusste, wie die Realität aussieht. Wenn wir etwas Neues erlernen, von dem wir wissen, dass es negative Auswirkungen hat, stehen wir in der Verantwortung zu handeln. 

Seit nunmehr 12 Jahren ernähre ich mich fleischlos und vor 2 Jahren habe ich Produkte tierischen Ursprungs komplett aus meiner Ernährung verbannt. Ich esse also schon mein halbes Leben kein Fleisch mehr. Vor 2 Jahren (2019) habe ich mich entschieden dem Kind einen Namen zu geben. Ich habe mich in eine Schublade gesteckt und damit angreifbar gemacht. Nachdem meine Mama mich verwirrt fragte, ob sie nun vegetarisch oder vegan für mich kochen solle, wusste ich, dass ich nun eine Entscheidung treffen muss. Ich hatte mich bloß zu Hause vegan ernährt, außerhalb wollte ich niemandem Umstände bereiten und schon gar nicht auffallen. Ich wollte doofen Kommentaren aus dem Weg gehen. „Und was isst du dann?“ „Wo bekommst du dein Protein her?“ „Sind deine Nährstoffe dann alle gedeckt?“, „Für Tofu wird der Regenwald abgeholzt.“ „Dann kannst du ja nur noch Salat essen.“ Kaum habe ich erwähnt, dass ich mich vegan ernähre, bekomme ich diese Fragen an den Kopf geknallt. Mittlerweile habe ich ein dickes Fell, aber am Anfang hat mich das wütend gemacht. Denken Omnivore ernsthaft, dass alle lebensnotwendigen Nährstoffe in tierischen Lebensmitteln enthalten sind? Als wären Fleisch oder Milch das Allheil-Mittel und der Garant für Gesundheit schlechthin. Menschen kaufen das billigste, abgepackte Hackfleisch vom Discounter, trinken Alkohol, rauchen, futtern bei McDonalds oder KFC, aber machen sich Sorgen, wenn das Wort vegan fällt. 

Am Anfang waren meine einzigen Beweggründe das Leid der Tiere zu vermeiden und mich gesünder zu ernähren. Dabei geht es beim Veganismus um so viel mehr. Der Konsum tierischer Produkte hat Folgen für das Klima und unsere Umwelt. Durch die Haltung von Nutztieren entstehen Treibhausgase, welche wiederum zur dauerhaften globalen Erwärmung führen. Für den Futteranbau werden riesige Flächen im Regenwald abgeholzt. Unser Ökosystem gerät in ein starkes Ungleichgewicht, welches sich bald nicht mehr aufhalten lässt, wenn wir nicht jetzt handeln. 

Es noch nicht zu spät alles daran zu setzen, unsere Heimat in diesem Universum zu schützen, damit sie weiterhin für uns und unsere kommenden Generationen erhalten bleibt. Wir sollten respektieren was wir haben, das schützen was bleibt und dafür sorgen, dass keine Lebensform mehr untergeht. Niemand alleine kann alles verändern, aber jeder kann etwas dazu beitragen. Nicht morgen. Jetzt. 

Taste dich langsam an das Thema heran, setze dich nicht unter Druck, direkt alles perfekt machen zu wollen. Lass am Anfang zum Beispiel erstmal das Fleisch weg und schau wie du zurecht kommst. Dann kannst du nach und nach immer mehr tierische Lebensmittel weglassen und durch pflanzliche ersetzen. Statt Kuhmilch trinkst du Pflanzenmilch und statt Käse auf dem Butterbrot gibt’s nun einen leckeren Aufstrich mit Pflanzenmargarine. Probiere dich aus und experimentiere mit veganen Produkten. Für mich war die Umstellung alles andere als ein Verzicht. Im Gegenteil. Ich empfand und empfinde es immer noch als extrem spannend! Wusstest du, dass man aus dem Wasser der Kichererbsen eine Art „Ei-Schnee“ herstellen kann aus welchem sich eine super cremige Mousse au chocolat zubereiten lässt? 


  • Text: Sarah