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Nach Regen kommt Sonnenschein

Müde, antriebslos und kaputt. Ich schalte meinen Rechner aus und bleibe noch einen Moment auf meinem Schreibtischstuhl sitzen. Morgens noch total motiviert nach Feierabend laufen zu gehen, sitze ich hier nun und möchte mich am liebsten im Bett verkriechen. Draußen sind 28 Grad. In meiner Dachgeschosswohnung ebenso. Ich bin ausgelaugt. Die Luft ist raus.


Ich will laufen. Ich will Sport machen, doch mein Körper weigert sich. In meinem Kopf schwirren hunderte Argumente umher und am lautesten sind die, die dagegen sprechen. Ich kann sie nicht überhören, so sehr ich auch will und weiß, dass ich mich nach dem Sport besser fühle. So war es schon immer, aber dieses Mal schaffe ich es nicht. Ich schmeiß mich auf mein Bett und schlafe ein. 1,5 Stunden später wache ich auf und bin genervt. Genervt, dass mein Körper gewonnen hat. Genervt, weil ich nicht stark genug war gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen.


Seit 3 Jahren laufe ich regelmäßig und habe seitdem viele Phasen durchgemacht. Phasen, in denen es weniger gut läuft kenne ich, doch jedes Mal ist es aufs Neue schwer diese zu akzeptieren. Ich weiß, dass ich sie einfach annehmen sollte, da sie vorüber gehen, doch ich stehe mir selbst im Weg. Fragen wie „Läufst du noch?“ stressen mich ungemein. Genau so wie die so sozialen Medien es tun. Dabei sind es nicht die Follower, die mir Druck bereiten. Vielmehr ist es Druck, den ich mir selbst mache. An mich selbst habe ich die Erwartung immer unterwegs sein zu müssen, viel Sport zu machen, an mein Limit zu gehen, Content für Instagram zu liefern. Höher, schneller, weiter. Die Folge: Das Laufen, das mir sonst so viel Kraft gibt, macht mir plötzlich überhaupt keine Lust mehr.


Wichtig ist, sich einzugestehen, dass solche Motivationstiefe vorkommen können und völlig in Ordnung sind – solange sie nicht zum Dauerzustand werden. Sport sollte immer Spaß machen und wenn du dich allein bei dem Gedanken daran unwohl fühlst, lass es. Zwing dich zu nichts. Schau keine Stories oder Strava-Aktivitäten von anderen an, die dich glauben lassen, du seist zu unfit, zu langsam oder du machst zu wenig. Versuch dich auf dich zu konzentrieren. Setze dir kleine Ziele. Probiere etwas Neues aus, such dir einen Alternativsport oder treibe sogar einfach eine Weile gar keinen Sport, um herauszufinden was zu überhaupt willst. Das ist vollkommen okay. Mir hilft das sehr, um den Fokus wieder zu finden. Abstand zu den Dingen bekommen, die man liebt, hilft, um zu merken, wie sehr man sie vermisst hat.


Was ich gelernt habe: Diese Phase anzunehmen, wie sie ist und in mich zu horchen, wieso es gerade so ist. Es hat alles seinen Grund. Nach Regen kommt Sonnenschein. Immer.


  • Text: Sarah